Titelbalken oben 1
Titelbalken unten

 

 

 

 

 

200

Referate von der Eröffnungsfeier 2010

Bütler Adelbert

1. Adelbert Bütler, Präsident Rotary Club Luzern-Seetal

Begrüssung Einweihung Turm Roten

- Es freut mich, dass ich Sie als noch amtierender Präsident des ROTARY CLUB LUZERN-SEETAL zu dieser Einweihung willkommen heissen darf.

- Unser RC war der Initiant für – man kann ja fast von einem Umbau dieses eindrucksvollen Turm Roten reden.

- Wir werden im Verlaufe dieses Vormittags noch hören, wie sich dieses von unserem RC lancierte, ausgearbeitete und realisierte Werk entwickelt hat und wie unser Club in organisatorischer und v.a. auch finanzieller Hinsicht gefordert wurde.

- Erlauben Sie mir, dass ich vorab als Club-Präsident einige Erklärungen zur immer wieder gestellten Frage
„was ist ROTARY überhaupt?“ gebe.

- ROTARY ist der älteste und grösste international verbreitete Service-Club mit Angehörigen verschiedener Berufe – unabhängig von politischen oder religiösen Richtungen.

- ROTARY wurde 1905 in Chicago gegründet und umfasst heute weltweit 32'000 Clubs in 166 Staaten mit ca. 1,2 Mio. Rotarierinnen und Rotariern.

- Ziele von ROTARY sind humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung und „Dienstbereitschaft im täglichen Leben“.

- Wir leisten also auf freiwilliger Basis und mit eigenen Mitteln gemeinnützige Dienste für das kulturelle und soziale Wohl unserer Gesellschaft.

- Zu jedem dieser drei Ziele ein einzelnes Beispiel:

Humanitäre Dienste:
ROTARY hat vor 30 Jahren unter dem Namen POLIO PLUS ein zunächst auf fünf Jahre beschränktes Projekt zur Eindämmung der v.a. in Drittweltländern grassierenden Kinderlähmung lanciert. In der Zwischenzeit hat ROTARY etwa USD 1,2 Milliarden gespendet – die unzähligen Arbeitsstunden von ca. 10 Mio freiwilligen Helfern nicht eingerechnet. POLIO PLUS von ROTARY führte zu einem Rückgang der Infektion um 98 % und momentan läuft eine weitere Spendenaktion um auch die letzten Prozente dieser schrecklichen Krankheit noch auszurotten.

Einsatz für Frieden:
Weltfrieden lässt sich nur über Völkerverständigung herbeiführen. Ein offizieller Bestandteil des ROTARY-Programms ist der Jugendaustausch. Jahr für Jahr verbringen weltweit etwa 8’000 Jugendliche ein von ROTARY organisiertes und auch mehrheitlich finanziertes Austauschjahr in einem fremden Land und lernen so Land, Leute, Kultur, Sprache, Eigenheiten – manchmal sogar eine neue Schrift - kennen. Eine grossartige Möglichkeit für 16 bis 18-jährigen, die übrigens auch Nicht-Rotarier-Familien offen steht. Allein aus unserer kleinen Schweiz profitieren jährlich über 100 junge Damen und Herren von so einem Auslandjahr und unsere ROTARY-Clubs in der Schweiz nehmen im Gegenzug über 100 Jugendliche aus verschiedensten Ländern auf und betreuen diese.

„Dienstbereitschaft im täglichen Leben“
Dieser Punkt kann sehr breit interpretiert werden, kann es sich doch um karitative, gesellschaftsfördernde oder gemeinnützige Realisationen handeln.
Ein sehr gutes Beispiel ist der heutige Anlass. Als Club unserer Region setzen wir regionale Zeichen und haben so dieses - bisher brachliegende Bijoux so umgebaut, dass es jetzt der Öffentlichkeit zugänglich ist und von der breiten Bevölkerung genutzt werden kann. Die Gemeindienst-Stiftung unseres Clubs, resp. Firmen und Mitglieder unseres Clubs haben über CHF 200'000.-- an die Gesamtkosten von CHF 383'000.-- getragen. Eine Gewaltsleistung und Sie verstehen sicher alle wenn ich heute sage: wir sind sehr stolz auf dieses Werk, das wir heute der Bevölkerung unseres Einzugsgebietes, den Seetalerinnen und Seetalern, übergeben können.

Bevor ich nun zum Schluss komme, möchte ich Ihnen allen, geschätzte Anwesende, recht herzlich danken. Sie alle haben unser Club-Projekt in irgend einer Art und Weise unterstützt und beigetragen, dass wir die sinnvolle Idee, diesen imposanten Turm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, überhaupt realisieren konnten.

Einen besonderen Dank gehört den Verantwortlichen unserer clubeigenen Gemeindienst-Stiftung (Peter Baccini, Bruno Huber, Stefan Stutz) und den vier Rotariern der Projektgruppe (Otto Bachmann, Ettore Cerutti, Kurt Meyer, Martin Scherrer). Sie alle haben Grossartiges geleistet. Und DANKE auch an Hr. Dominik Leisibach für die Übernahme des Präsidiums des Betreibervereins Turm Roten.

Ich danke aber auch unserem Club, dass er JA gesagt hat zu diesem – ich muss sagen: sehr, sehr grossen – Projekt. Es ist das mit Abstand grösste Projekt in der 40-jährigen Geschichte unseres Clubs.

HERZLICHEN DANK !

- - - - -

BB

2. Bruno Bachmann, Direktor HPZ Hohenrain

Einweihungsfeier Turm Roten Hohenrain

Der Grosse Rat in Luzern hat Ende 1845, nach langem Hin und Her, entschieden, die Taubstummenschule in Werthenstein in die Kommende Hohenrain zu verlegen. Dabei mag die Überlegung eine Rolle gespielt haben, dass in Hohenrain bereits während rund 600 Jahren der christliche Johanniterorden caritativ gewirkt hat.

Kaplan Grüter ist am 3. März 1847 mit 23 gehörlosen Kindern, dem gehörlosen Lehrer Siegenthaler und einer kranken Magd in die Räume des Turms Roten und des Komturhauses ein. Er gilt als Gründer der sogenannten Taubstummenanstalt in Hohenrain.

„ Die Lehrerschaft wie die Zöglinge freuten sich schon lange auf die Zeit dieser Übersiedelung aus dem winterlichen, wildromantischen und eingeschlossenen Werthenstein auf den sonnenreichen und freundlichen Hohenrain, wo eine bequemere und zweckmässigere Wohnung und Einrichtung für die Anstalt und durch die ergötzende Aussicht Erheiterung für Herz und Geist finden.“

Soweit ein Zitat aus dem Jahresbericht von Kaplan Josef Grüter aus dem Jahre 1847.

Gut 50 Jahre später, im Jahre 1906, wurde in Hohenrain weiter gebaut und auch eine Schule für „schwachsinnige, schulbildungsfähige Kinder“ (heute: Lern und geistig behinderte Kinder und Jugendliche), angegliedert. Heute sind es über 300 Kinder und Jugendliche, welche mit erhöhtem Unterstützungs- und Förderbedarf in unserer Sonderschule, in der Therapie und im Internat betreut werden. Dazu steht heilpädagogisch ausgebildetes Fachpersonal mit Erfahrung zur Verfügung. Ziel der Sonderschulung ist die möglichst gute soziale und berufliche Eingliederung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung in unsere Gesellschaft.

Im Verlaufe der letzten 163 Jahre wurde der Turm Roten vielseitig genutzt und den wechselnden Bedürfnissen unserer Sonderschule angepasst. So war zum Beispiel im Untergeschoss eine Baderei für die Kinder untergebracht, im Rittersaal waren es Werkräume, im Musikzimmer wurde auch gewohnt.
Mit der Renovation von 1985, anlässlich des Jubiläums „600 Jahre Stadt und Kanton Luzern“, konnten im Turm Roten neue Bedürfnisse umgesetzt werden.
Im Erdgeschoss konnte die wunderschöne, kleine und feine Bibliothek für die Gemeinde Hohenrain und das Heilpädagogische Zentrum Hohenrain eingerichtet werden. Diese Bibliothek wird im Kanton Luzern als Bijou wahrgenommen und ist bei Erwachsenen und Kindern sehr beliebt. 2009 wurden 23`298 Bücher und Tonträger ausgeliehen. Die Bibliothekarinnen, Frau Theres Haas und Frau Sandra Schumacher, organisierten zusätzlich attraktive Veranstaltungen : Open Air Kino, Lesungen.
Im 1. Stock nutzen wir ein schönes Musikzimmer für den Djembé-Unterricht unserer Schülerinnen und Schüler oder für Chorproben. In der gotischen Stube nebenan finden Kommissionssitzungen und auch Ziviltrauungen statt.
Der Rittersaal im 3. Stock hat eine gediegene, vornehme, kräftige Ausstrahlung. Im Rittersaal empfangen wir Gäste und bewirten Gesellschaften (Hochzeitsfeste, Geburtstagsfeiern, Firmenanlässe).
Der Obergaden ist trotz seiner stimmungsvollen, interessanten Räume bisher leider wenig genutzt worden.

Mit dem Einbau des Lifts und der Ausstellung hat der Turm Roten enorm gewonnen. Die Bedeutung für unsere Schule liegt darin, dass wir im Rittersaal viel ringer wirten können. Es muss nicht mehr jede Kochkiste und jede Flasche hinaufgetragen werden. Für den Service im Rittersaal ist die neue Verbindungstüre ins Office (Zitat) „Gold wert“. Wir stellen bereits eine Steigerung der Vermietungen im Turm Roten fest und können dadurch auch die 9 Arbeitsplätze für Behinderte in unserer Heimküche, in der Wäscherei und der Reinigung besser auslasten.
Für gehbehinderte Personen ist der Lift eine klare Erleichterung.
Im Rahmen der Ausstellung im Obergaden können wir den Besuchern den Kulturschatz der Kommende, die Aussicht ins liebliche Seetal und die Arbeit am Heilpädagogischen Zentrum zeigen.

Hier im Höfli erfahren und erfühlen wir die Geborgenheit und den Schutz, welche die mittelalterlichen Bauten ausstrahlen. Hohenrain ist ein Kraftort - oder mindestens ein kräftiger Ort! Ein Ort der Begegnung.

Ich möchte meine grosse Freude über das gelungene Werk, die Ausgestaltung und Belebung des Turms Roten, zum Ausdruck bringen. Das HPZ Hohenrain profitiert in verschiedener Hinsicht vom neu aufgewerteten Turm Roten. Im Namen von Gross und Klein am HPZ Hohenrain danke ich dem Rotary Club Luzern-Seetal, den Sponsorinnen und Sponsoren und der Projektleitung von ganzem Herzen für das wunderschöne Geschenk.

- - - - -

MU

3. Urs Mahlstein, Kantonsbaumeister

Einweihungsfeier Turm Roten vom 26. Juni 2010

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit dem heutigen Tag ist die Geschichte des Turms Roten um ein Ereignis reicher. Und diese Geschichte ist doch schon sehr reich an wichtigen Ereignissen. So…

wird Hohenrain bereits 1182 urkundlich erstmals erwähnt
kam nach der Blütezeit im 13. Jahrhundert – in diese Zeit fiel auch der Bau des Turm Rotens –im 14./15. Jahrhundert der langsame Untergang der Johanniterkommende, schlussendlich mit der Übernahme der Verwaltung der Kommende durch den Luzerner Bürger Caspar Josef Rüttimann
verfügte 1807 die Luzerner Regierung die Liquidation des verschuldeten Ordenshauses zuhanden des Kantons Luzern zusammen mit 145 ha Land und Wald
erfolgte 1983 bis 1986 die Restaurierung des Turm Rotens mit einem Kredit von 2.8 Mio. Franken

Und heute, am 26. Juni 2010, 828 Jahre nach der Gründung von Hohenrain, ermöglicht der Rotary Club Luzern-Seetal die breite öffentliche Zugänglichkeit des Turms mit einer Lifterschliessung und einer Ausstellung.

Als Vertreter des Kantons Luzern habe ich heute, an diesem wunderbaren Sommertag, den Schlüssel des Turm Rotens vom Rotary Club Luzern-Seetal in Empfang nehmen können. Eine grosse Ehre und ein eher seltenes Ereignis. Geschenke kann der Kanton Luzern ja doch selten in Empfang nehmen, sind es doch eher Pflichtabgaben, die die Luzerner Bürgerinnen und Bürger mehr oder weniger freiwillig zu leisten haben, und darum freuen wir uns natürlich riesig an diesem Geschenk.

Wenn Sie anschliessend den Turm besteigen oder sich mit dem Lift hochfahren lassen, werden Sie die Einzigartigkeit dieses Bauwerkes, die tolle Lage mit einem prächtigen Panoramablick weit ins Schweizerland hinaus und natürlich die vom Rotary Club Luzern-Seetal installierte Infrastruktur entdecken. Wenn der Turm reden könnte, würde er uns viele Geschichten zu erzählen wissen; diese Aufgabe wird nun aber Dieter Ruckstuhl mit seiner Ausstellung, stellvertretend für den Turm Roten, übernehmen.

Mit der Investition hat der Rotary Club Luzern-Seetal dem Turm Roten neues leben eingehaucht. In den nächsten Monaten wird auch die Ausstellung von Dieter Ruckstuhl zu bestaunen sein. Mit viel Enthusiasmus und auch grossen finanziellen Mitteln wurde und wird noch ein grosser Wert zugunsten der Bevölkerung und eine neue Attraktion im Luzerner Seetal geschaffen. Im Namen des Kantons Luzern gratuliere ich allen Beteiligten für dieses grosse Werk. Sie übergeben dieses Werk nun in die Hand des Kantons Luzern, er wird nun für den Unterhalt und den Betrieb der Anlagen sorgen.

Ich wünsche ihnen allen einen schönen Tag, dem Verein und der Ausstellung viel Erfolg bei seiner Arbeit und danke nochmals dem Rotary Club Luzern-Seetal für dieses Werk.

- - - - -

Baccini Peter

4. Peter Baccini, Stiftungsratspräsident, Römerswil

Sinn und Zweck des Projektes Turm Roten

Wenn wir Seetaler reisen, bis an die Schweizer Grenze und darüber hinaus, und gefragt werden, woher wir kommen, dann müssen wir meist zur Kenntnis nehmen, dass unsere Gesprächspartner nicht wissen wo das Seetal liegt. Also vermeiden wir höflich die Offenlegung peinlicher Wissenslücken unserer Gesprächspartner und sagen einfach: „Ich komme aus Luzern“, worauf die Fragesteller fast immer begeistert antworten, meist in der Lingua franca der heutigen Zeit: „Lucerne, oh really? I know my friend, a very beautiful place, the wooden bridge with the water tower!“

Das Anknüpfen an die Stadt Luzern zur Ortung des Seetals ist eine junge Methode in der Siedlungsgeschichte unserer Region. Diese Geschichte ist etwa 6000 Jahre alt, also rund 200 Menschengenerationen.

Als der keltisch-römische Offizier Otticus vor knapp 2000 Jahren in Marsilia (dem heutigen Marseille) mit seinem iberischen Kollegen Italus noch einen Becher Wein zum Abschied trank, antwortete er auf die Frage: „Quo vadis Otticus?“ „Transalpin, mein Freund, nach Vindonissa. Mein Gutshof liegt etwas südlich davon, über einem kleinen hübschen See.“

Als rund 1200 Jahre später, also im 13. Jh., Ritter Rudolf, Mitglied im „Ritterlichen Orden des Hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem“, mit Wohnsitz Johanniter Kommende Hohenrain, sich auf der Insel Rhodos von seinem irischen Freund Patrick verabschiedete (sie waren zusammen einige Jahre im heiligen Krieg in Palästina), antwortete er auf die Frage: „Quo vadis Rudolf?“ (Man sprach unter gebildeten Adligen in multikultureller Gesellschaft immer noch lateinisch, noch nicht französisch, geschweige denn englisch): „Ich kehre ins Bistum Konstanz zurück. Du weisst ja, es ist das grösste Bistum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, unser Alemannenbistum. Hohenrain ist ganz in der Nähe des Fraumünsters Zürich.“ (Es ist nicht verbrieft, ob Ritter Rudolf damals seinen Wohnort als Hohenrain vorstellte oder bereits als Honeri.)

Der Stadtstaat Luzern trat erst 100 Jahre später auf die politische Bühne der Seetaler.
Warum die zwei Anekdoten aus der Römerzeit und des späten Mittelalters? Beide stammen aus Perioden von wenigen Jahrhunderten, in denen grosse Entwicklungsschübe stattfanden, ein starkes Wachstum der Landwirtschaft, von Handel und Gewerbe, und damit auch der Landschaftsveränderung, unterstützt durch ein länger andauerndes warmes Klima. Der Turm Roten steht hier und heute als Bauwerk, der am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit entstand, als erster Abschluss einer Idee Seetal, ohne dass die damaligen Erbauer und Nutzer dies erahnen konnten. Es begann die grosse Urbanisierung nördlich der Alpen. Zu Beginn des 15. Jh. setzte sich in dieser Region der junge Stadtstaat Luzern durch. Das Seetal blieb rund ein halbes Jahrtausend eine seiner ruralen Kornkammern, dünn besiedelt, arm an Gewerbe, ohne Stadt.

Heute steht das Seetal mitten im dritten Urbanisierungsschub seiner Geschichte. Dieser Schub ist ein Zivilisationsschub, der im 19. Jh. in Europa begann und sich im vergangenen Jahrhundert weltweit beschleunigte. Es entstand auch die Stadt Schweiz, zwischen Léman und Bodensee, die nun von allen Seiten her auf das Seetal zuwächst. Die letzten hundert Jahre brachten auch hier eine Verdoppelung der Bevölkerung. Die heute zwischen Eschenbach und Lenzburg Lebenden zählen 50‘000 Köpfe. Es könnten vor Ende dieses Jahrhunderts bereits 100‘000 sein. Das Seetal steht vor einer rasanten Entwicklung, viel später als das Glatttal, das Limmattal und das Wiggertal.
Der Turm Roten steht noch, mehr durch Zufall als durch weise Fügung. Ohne die römischen und päpstlichen Globalisierungen (von der Seidenstrasse Asiens bis an den Atlantik) wäre hier keine Kommende entstanden. Ohne politisches Geschick der Johanniter im diplomatischen Handel mit den Luzernern nach dem Sempacher Erfolg wäre auch der Turm Roten von den Eidgenossen geschleift worden. Was zur gleichen Stunde westlich von uns beim Winkelried-Denkmal gefeiert wird, ist noch stark geprägt von der Geschichtsschreibung des 19. Jh., nämlich ein Befreiungskrieg gegen die Habsburger, um der Idee der nationalen Freiheit und Unabhängigkeit nach Napoleon einen Mythos zu geben. Es gehört zur menschlichen Konstante in der Geschichte, dass man lieber jene Spiele feiert, die man einst gewonnen hat. Es darf heute vermutet werden, dass die Seetaler nach dem Sempacher Sieg nicht befreit, sondern nur anderen Vögten unterstellt wurden. Die Luzerner brauchten Hinterland für ihre Stadt im Wachstum, und dieses Hinterland lag im Norden, und nicht im Süden. Aber geschichtliche Entwicklungen verlaufen nie geradlinig.

Ohne wachsenden Wohlstand des neuen Bundesstaates Schweiz, ohne Finanzeinsatz des Standes Luzern, ohne kluge Bildungspolitik des gleichen Kantons wäre dieser bescheidene Ort hier bereits im 19. Jahrhundert zu einem Steinbruch verkommen.
Also steht dieser Turm heute da als ein glückhaftes Erbe, und damit auch als ein Zeichen, das wir als Initianten mit dem heute abgeschlossenen Projekt verstärken wollen. Ein Zeichen wofür denn, und wozu verstärken? Es sind drei Gründe.

Erstens soll der Turm als Ort der Aussicht uns daran erinnern, dass wir den kommenden Wandel im Seetal nur mit einer Sicht auf weite Zeithorizonte und Räume erfolgreich mit eigenen Kräften mitgestalten können. Jede gestaltete Zukunft braucht auch reflektierte Vergangenheit. Der oberste Stock des Turms schafft mit der Ausstellung sowohl Erinnerung als auch Ausblicke. Es ist eine ausserordentliche Chance, auch ein Zufall der Geschichte, heute nicht an den Hauptachsen der Stadt Schweiz zu liegen. Es gibt intelligentere Siedlungsentwürfe als nur Kopien des Glatttales und des Wiggertales.

Zweitens lädt dieser Ort mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur ein, ein Treffpunkt besonderer Art für Seetaler und ihre Gäste aus aller Welt zu werden. Es ist ein Ort der Kommunikation mit dem Innenhof, den Seminarräumen, der Kirche, des Festsaales mit sehr gutem Catering, mit Weinberg, einer Bibliothek, einer Ausstellung, eingebettet in einer grossen pädagogischen Institution. Er hat, und dies scheint uns wichtig, Masse und Umfang, das der Art der Seetaler entspricht. Wenn Sie im Anschluss die Schülerarbeiten zum Thema besichtigen können, so spüren sie auch den starken Wunsch der jüngsten Generation, den Ort in diesem Sinne neu zu beleben.

Drittens steht die Erweiterung dieses Turms für die Verpflichtung aller Menschen guten und festen Willens, auch in freiwilliger Arbeit Kultur zu schaffen. Wir nennen es unter Rotariern Gemeindienst. Damit setzen wir, mit Ihnen allen, die sie aus den privaten Unternehmen und aus Behörden stammen, die Tradition von Organisationen wie jene der Johanniter hier fort. Es ist nicht eine romantisch gefärbte Rückkehr zu mittelalterlichen Zeiten. Es ist das Wissen darüber, dass Gemeinschaften nicht nur wirtschaftlich und politisch Erfolgreiche brauchen, sondern auch dienende Menschen.

Der heutige Tag ist kein grosses Spektakel. Er ist bescheiden wie der Umfang dieses Bauwerkes. Der Tag wird mit Ihrer Gegenwart und Unterstützung Ausdruck, im Seetal ein neues Zeichen zu setzen. Der Tag steht für einen Anfang. Er soll sich angemessen einreihen können in die Gruppe all jener Tage, an denen Menschen sich für die langfristig gute Entwicklung eines Lebensraumes einsetzen. Im Namen des Stiftungsrates danke ich Ihnen herzlich, dass Sie mithelfen, dass dieser Turm Roten zu einem starken Zeichen wird.